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Letztes Update:
2. August 2020 - 10:52

Reihe „Vorlesung mal anders – die Uni geht ins Kino“: Vortrag über „True Blood“

Vampire wie du und ich

Nach Kultserien wie „Miami Vice“, „Simpsons“, „Akte X“ und „Star Trek“ fühlt die letzte „Vorlesung mal anders“ des ausgehenden Semesters den Vampiren von „True Blood“ auf den Zahn. Den Vampiren? Eher dem, für das sie symbolisch stehen, wird die zur Zeit in Anglistik promovierende Literaturwissenschaftlerin und Gewinnerin des Kieler Science Slam 2011, Manja Kürschner, in ihrem Vortrag am 7.2.2013 im Kieler metro-Kino im Schloßhof nachspüren.

Dass sich Literatur- und Medienwissenschaftler wie die Initiatoren der etwas anderen Vorlesungsreihe, Gerrit Lembke und Ingo Irsigler, mit Kultserien beschäftigen, ist durchaus wissenschaftlich, gleichzeitig aber amüsantes „Infotainment in lockererer Atmosphäre als einem Uni-Hörsaal“, weiß Manja Kürschner. In TV-Serien spiegeln sich wie in der Literatur gegenwärtige gesellschaftliche Probleme: in „True Blood“ etwa die höchst aktuellen Debatten um Rassismus, Sexismus und Integration von „Randgruppen“. Als „geschickt gemachten Gegenentwurf zur Mystifizierung von Vampiren“ in den „Twilight“-Filmen oder in Serien wie „Vampire Diaries“ und „Buffy“ sieht Kürschner „True Blood“, dessen fünfte Staffel gerade in den USA gesendet wurde (beim deutschen Sender RTL 2 bislang drei Staffeln). „Eine Freundin zog mich in dieses Serienfieber“, erzählt Kürschner, die dennoch nicht „einfach nur ein Fan“ ist, sondern auch „analytisch“ auf die Serie schaut.


„Vampire sind Menschen wie du und ich“ – zumindest in der TV-Serie „True Blood“, deren Kultphänomen Manja Kürschner auf den Zahn fühlt. (Foto: jm)
Für die, die es bisher nicht gesehen haben: Im konservativen US-Südstaat Louisiana wollen einige Vampire nicht mehr Feinde der Menschen sein, sondern sich in deren Gesellschaft integrieren. Ermöglicht wird das durch künstliches Blut – „eine Art Methadon für Blutsüchtige“, augenzwinkert Kürschner –, das den Biss in menschliche Hälse überflüssig macht und so die Vampire friedlich koexistieren lassen könnte. Wären da nicht die konservativen Vorurteile – und die Lust, die Faszination der Gefahr, die manche Menschen bei einem Vampirbiss empfinden. Recht deutlich sei hier die Analogie zu Homosexuellen, die immer noch um ihre Akzeptanz kämpfen müssen, „zu dem Anderen, Fremden, das wir aber alle in uns tragen – es sind sozusagen Vampire wie du und ich“, so Kürschner über die „intelligente Aushebelung des Gut-Böse-Schemas“ in der Serie, die „ein cleverer Mix aus politischer Botschaft und Soap Opera“ sei.

Aber nicht nur dies mache „True Blood“ zur Kultserie. Auch über die Fantastik, die Konterkarierung des Vampir-Genres und „das Andere, das in die Alltagswelt als Gefahr ebenso wie als Chance einbricht“, wird Kürschner referieren und so ein Bild einer TV-Serie zeichnen, die unsere alltäglichen und zutiefst menschlichen Probleme abbildet. Dass das nicht „streng akademisch“ geht, sondern als kurzweilige „Vorlesung mal anders“, versteht sich gerade darin wie von selbst. (jm)

Donnerstag, 7.2.2013, 18.30 Uhr (Vorprogramm ab 18.15 Uhr) im Kieler metro-Kino im Schloßhof. Infos: www.vorlesung-mal-anders.de, sowie auf Facebook.